„Wandel zur E-Mobilität erfordert einen langen Atem“
Die Kellergroup im Interview bei electrive
Das Fachmedium electrive hat mit Alexander Hewel, unser Managing Partner der Keller GmbH Logistik, über die Antriebswende im Straßengüterverkehr gesprochen. Im Mittelpunkt stehen unsere Erfahrungen aus dem Praxisbetrieb, die Roadmap bis 2033 und die Frage, was für den Hochlauf von E-Lkw noch fehlt.
Wir freuen uns über die Veröffentlichung: In dem Interview „Wandel zur E-Mobilität erfordert einen langen Atem“ erläutert Alexander Hewel gegenüber electrive-Autorin Nicole de Jong, wie wir unsere eigene Flotte umstellen und was wir als Logistikberatung aus dem Mittelstand heraus mitnehmen.
Alternative Antriebe sind bei uns längst Alltag
Mit rund 70 eigenen Fahrzeugen und 15 bis 20 festen Subunternehmern bewegen wir eine Flotte von insgesamt etwa 80 bis 90 Fahrzeugen. Rund 35 bis 40 Prozent davon fahren bereits mit alternativen Antrieben. Im eigenen Fuhrpark sind aktuell im Einsatz:
- 11 Bio-CNG-Lkw
- 2 Elektro-Lkw
- 2 Lkw mit HVO100
Hinzu kommen alternativ betriebene Fahrzeuge unserer Subunternehmer sowie erste Wasserstoffanwendungen. Bei den Elektro-Lkw setzen wir auf verschiedene Hersteller, darunter Mercedes-Benz und Scania. Künftig soll auch MAN eine Rolle spielen.
„Entscheidend ist nicht die Marke, sondern welche Fahrzeuglösung am besten zum jeweiligen Einsatzprofil passt.“– Alexander Hewel
Roadmap bis 2033: Schritt für Schritt elektrifizieren
Bis 2033 wollen wir schrittweise alle Fahrzeuge aus dem konventionellen Betrieb ersetzen. Gleichzeitig begleiten wir unsere Kunden auf dem Weg zur Elektromobilität. Für Alexander Hewel ist die Richtung klar:
„Für uns steht außer Frage, dass der Straßengüterverkehr langfristig elektrifiziert wird.“– Alexander Hewel
Je nach Einsatzprofil haben auch andere Antriebe ihre Berechtigung. Die größte Dynamik sehen wir aber bei der Elektromobilität: Fahrzeuge werden leistungsfähiger, effizienter und wirtschaftlich attraktiver. Entscheidend sei die Betrachtung über die gesamte Nutzungsdauer, etwa mit niedrigeren Energie- und Betriebskosten, möglichen Mautvorteilen und höherer Energieeffizienz.
„Bei planbaren Einsatzprofilen können E-Lkw bereits heute wirtschaftlich konkurrenzfähig sein.“– Alexander Hewel
Ladeinfrastruktur und Netzanschluss als Schlüsselfaktoren
Heute laden unsere E-Lkw an zwei Ladepunkten mit jeweils 50 Kilowatt, die seit rund zweieinhalb Jahren in Betrieb sind. Für den aktuellen Betrieb reicht die vorhandene Infrastruktur aus, denn Ladevorgänge lassen sich über den Tag oder die Nacht gut planen.
Mit wachsender Elektroflotte muss auch die Infrastruktur mitwachsen. Geplant ist:
- 20 bis 30 Prozent der Fahrzeuge sollen künftig regelmäßig am Standort laden können.
- Dafür sind drei bis fünf Schnellladepunkte mit jeweils rund 400 kW vorgesehen.
- Gemeinsam mit den Stadtwerken arbeiten wir an einem Konzept, um die verfügbare Netzleistung in den kommenden drei bis fünf Jahren schrittweise auszubauen, denn die Trafokapazität im Gewerbegebiet ist bereits stark ausgelastet.
Offene Punkte: Finanzierung, Förderung, öffentliches Laden
Alexander Hewel benennt im electrive-Interview auch die Hürden:
- Finanzierung: Die Restwerte von E-Lkw sind noch schwer einzuschätzen, was zu höheren Leasing- und Finanzierungskosten führt. Mit wachsender Markterfahrung erwarten wir in den nächsten drei Jahren einen deutlichen Wandel hin zu einer breiteren wirtschaftlichen Nutzung.
- Förderung: Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse, Planung und Bau bewegen sich schnell im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich. Gefragt sind Fördermodelle, die Unternehmen unterstützen und zugleich flexibel für die technologische Entwicklung bleiben.
- Öffentliches Laden: Bei flexiblen Langstreckeneinsätzen bremsen begrenzte Ladepunkte und schwankende Ladeleistungen. Laden am Depot und teilweise beim Kunden funktioniert dagegen schon heute zuverlässig.
„Allerdings erfordern Investitionen in E-Mobilität einen langen Atem und können nur schrittweise umgesetzt werden.“– Alexander Hewel
Unser Fazit
Die Antriebswende gelingt nicht über Nacht, aber sie lässt sich planen. Wer Einsatzprofile, Ladeinfrastruktur, Netzanschluss und Finanzierung früh zusammendenkt, kann E-Lkw schon heute wirtschaftlich in den Betrieb integrieren. Genau diese Erfahrungen aus dem eigenen Fuhrpark bringen wir auch in unsere Logistikberatung ein.
Das Interview lesen
Das vollständige Interview finden Sie bei electrive:
„Wandel zur E-Mobilität erfordert einen langen Atem“ – Alexander Hewel von der Kellergroup (electrive.net, 08.10.2026)